Tagesausflug nach Guben/Gubin

Guben liegt inmitten der brandenburgischen Landschaft zwischen Neiße und Spree und bildet als Zwillingsstadt von Gubin die Brücke zum Nachbarland Polen.  Als eine der ältesten Städte der Niederlausitz schaut Guben auf eine über 775-jährige wechselvolle Geschichte zurück.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die fast vollständig zerstörte Stadt durch das Potsdamer Abkommen zweigeteilt – Guben in Deutschland und Gubin in Polen. Die historische Altstadt ist seitdem auf polnischer und der industriegeprägte Teil auf deutscher Seite.

Mit der Wende in den 90iger Jahren brach die wirtschaftliche Infrastruktur von Guben zusammen. Im Jahr 2002 begannen umfangreiche Umbaumaßnahmen und Guben erhielt ein neues Stadtzentrum. Um die deutsch-polnische Zusammenarbeit weiter zu fördern, wurde eine zentrale Achse (Berliner Str./Frankfurter Str.) zwischen Guben und Gubin geschaffen.

Dies und vieles mehr haben wir bei unserem Besuch in Guben-Gubin erfahren. Außerdem führten uns fachkundige Mitarbeiter der beiden Stadtverwaltungen durch die Doppeltstadt.  Die Tour begann an der Promenade am Dreieck, dem Knotenpunkt des Gubener Stadtzentrums. Die Hutfabrik von C.G. Wilke stand hier lange Zeit als Industriebrache mitten in der Stadt. Nach intensiven Umbau- und Renovierungs-Maßnahmen beherbergen die ehemaligen Produktionsstätten jetzt das Gubener Rathaus, die Stadtbibliothek und die städtische Musikschule.

Wir liefen durch die Stadt an der Kirche des guten Hirten (Jugendstil 1903) und an dem Torhaus (Pförtnerhaus der Villa Wilke) vorbei sowie an einigen herrschaftlichen Häusern, die an der Hauptachse nach Polen liegen. Am Neißeufer befand sich einst das riesige Fabrikgelände der Gubener Tuchfabrik – heute dank EU-Gelder eine grüne Oase – mit direktem Zugang zur Neiße. So ist die Neiße vom Grenzfluss der Vergangenheit zu einem erlebbaren und verbindenden Element im deutsch-polnischen Stadtbild geworden. Wir gingen über die Fußgängerbrücke (2007) zur Theaterinsel und waren auf einmal in Polen. Dort gibt es noch die originalen Säulenreste des ehemaligen Theaters und ein kleines Denkmal für Goethes Muse Corona Schröter, die in Guben geboren wurde.

Zu den imposantesten Bauwerken von Gubin gehört die Ruine der Gubener Stadt- und Hauptkirche (1294), im 2. Weltkrieg zerstört. Die Kirche soll wieder aufgebaut werden und als deutsch-polnisches Begegnungszentrum dienen, um interkulturelle Beziehungen zu fördern und zu stärken.  Direkt daneben liegt das alte Rathaus (1502/umgebaut 1672/wiederaufgebaut 1986). Hier im heute polnischen Alten Rathaus haben wir zu Mittag gegessen.

Direkt auf der Grenze, auf der historischen Brücke, der Hauptachse über die Neiße, wurden wir von Bürgermeister Bartlomiej Bartczak (Gubin) und amtierendem Bürgermeister Fred Mahlo (Guben) sowie ganz viele Journalisten, einer Reporterin vom RBB und einen Fernsehteam begrüßt.

„Der Weg zu einem gemeinsamen Europa, Herausforderungen und Potenzial – eine deutsch-polnische Geschichte“ war das Thema des Vortrags im Gubener Rathaus: Infolge der geopolitischen Veränderungen seit Ende der 90iger Jahre hat die Grenze zu Polen eine neue Funktion als „Tor zum Osten“ erhalten. Guben-Gubin haben die sich daraus ergebenden Chancen frühzeitig erkannt und Initiativen zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit ergriffen. 1998 entstand das „Räumliche Strukturkonzept der Eurostadt Guben-Gubin“. Hauptgedanke des gemeinsamen Konzeptes ist die Weiterentwicklung der bi-zentralen Stadtstruktur mit dem Schwerpunkt einer gemeinsamen, gestalterischen und funktionalen Aufwertung.

Herr Carsten Jacob von der GTS (Gemeinsames Technisches Sekretariat des Operationellen Programms zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit Wojewodschaft Lubuskie – Brandenburg 2007–2013), einer Fördermittelstelle für EU-Gelder, hat uns durch Projektbeispiele den europäischen Fonds für Regionale Entwicklung näher gebracht. Es ist damit gelungen, Grenzen zu überwinden durch gemeinsame Investitionen in die Zukunft.

Bevor wir uns auf die Heimreise begaben, konnten wir einen Blick in das Stadt- und Industriemuseum werfen und die berühmten Hüte von Herrn Wilke virtuell oder auch wirklich anprobieren.

Wir möchten gerne dem Gesandten der Polnischen Botschaft, Herrn Andrej Szynka, der uns den ganzen Tag begleitet hat, unseren besonderen Dank aussprechen. Dies gilt auch für Frau Oliva Nikel, unserem früheren Präsidiumsmitglied, jetzt Ehefrau des Deutschen Botschafters in Warschau, die extra aus Warschau kam, um mit uns gemeinsam Guben-Gubin kennenzulernen.

Photos: © Bernhard Schulz