Moderne Architektur in Oslo

Am 23. März 2021 entführte uns unser Experte Ulf Meyer wieder zu einem virtuellen Architekturspaziergang, diesmal in den hohen Norden nach Oslo, einer wirklich wunderbaren Stadt, was Architektur, Natur und Lebensqualität angeht. Herr Meyer erwies sich als großer Kenner der über tausend Jahre alten Stadt und präsentierte Oslo als "Blue and Green, and the City in between": Die natürliche Umgebung ist spektakulär, mit bewaldeten Hügeln auf drei Seiten und dem Fjord im Süden. Die Osloer sind "mit Skiern geboren", und im Sommer segeln und schwimmen sie im Meer. Die Erholung in der Natur ist ein wichtiger Teil von Oslos Identität.

Wenn man mit dem Schiff den 80 km langen Oslofjord hinauffährt, markiert die amphitheaterartige Landschaft das Ende der Reise. Von der Seeseite aus vermitteln neue Projekte am Wasser den Eindruck einer modernen Stadt. Oslo ist keine Großstadt. Mit ca. 650.000 Einwohnern in der Kommune und ca. 950.000 in der Metropolregion ist sie die größte Stadt in Norwegen, einem Land mit fünf Millionen Einwohnern. Die große Mehrheit besitzt eine eigene Wohnung oder ein eigenes Haus. Oslo ist eine pulsierende Stadt und eine der am schnellsten wachsenden Hauptstädte in Europa. Das urbane Leben boomt und verändert die sozialen Gewohnheiten. Die niedrige Arbeitslosigkeit hat die Integration von Einwanderern erleichtert, deren Geschäfte und Restaurants das Gesicht der Stadt prägen.

Das frühe 20. Jahrhundert brachte eine Generation von Stadtplanern hervor, die verstanden, dass "gerade groß genug" schnell "zu klein" werden kann. Die Industrie, die oft auf der Wasserkraft von Wasserfällen basierte, war ein Zeichen des nationalen Wiedererwachens, und in Oslo wurde das große neue Rathaus am Wasser geplant, als Ausdruck des Bürgerstolzes, der das Stadtzentrum zum Fjord hin öffnete. In den 1930er Jahren nahm Oslo den modernistischen Stil als Symbol einer neuen Gesellschaft an.

In den 1970er Jahren begann eine groß angelegte städtebauliche Erneuerung von Wohngebieten aus dem 19. Jahrhundert, verbunden mit der Akzeptanz für den Erhalt alter Architektur. So wurden mehrere hölzerne Vororte vor der Zerstörung bewahrt. Die Zunahme des Verkehrs schuf Pläne für Stadtautobahnen. In den späten 1980er Jahren, als viele Autobahnen gebaut wurden, wollte man aber das Durchschneiden der Stadtstruktur verhindern, und die Lösung war der Bau von Tunneln.

Die Urbanisierung des Hafens trug zum Anstieg der Wohnbebauung bei, Oslo hat ein kompaktes Stadtzentrum, mit kurzen Wegen und einem entspannten Rhythmus. Kulturelle Projekte, wie die Oper in Bjørvika, wurden fertiggestellt und machen Oslo zu einem Ziel für Liebhaber. Am 10. Dezember wird im Rathaus der Friedensnobelpreis verliehen. Oslo entwickelt sich zu einer reifen und selbstbewussten europäischen Hauptstadt. Das "Dazwischen", der urbane Aspekt, ist nun genauso wertvoll und geschätzt wie das "Blaue" und das "Grüne".