Tempelhof

Am 12. Januar 2020 führte der erste Besuch im neuen Jahrzehnt unsere Architekturspezialistinnen zum Flughafen Tempelhof, zu Europas größtem Baudenkmal, das eine lange und sehr spektakuläre Geschichte besitzt. Er war einer der ersten Flughäfen Berlins, existierte von 1923 bis zu seiner Schließung als Flughafen im Herbst 2008. Er war und ist Kulisse für Film und Fernsehen: von Billy Wilders „A Foreign Affair“ über „Valkyrie“ mit Tom Cruise bis zu den „Hunger Games“. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Geschichte und Architektur des Flughafens. Eine davon erzählt von kilometerlangen Tunneln, die bis in die Innenstadt führen. Nein, das stimmt nicht, stellten wir fest.

Wir wurden durch das Labyrinth des riesigen Flughafengebäudes geführt, durch unterirdische Anlagen, die über drei Etagen in die Tiefe reichen, sahen die Luftschutzkeller und den unterirdischen Bunker, wo das geheime Filmarchiv der Nazis lagerte, das zu Kriegsende 1945 durch einen Brand völlig zerstört wurde. Als die US-Army am 4. Juli 1945 den Flughafen übernahmen, begann sie mit der Instandsetzung des im Krieg trotz Vernichtungsbefehl relativ wenig zerstörten Flughafens. Wir standen auf dem Basketballfeld und Squashcourt, die für die amerikanischen Soldaten angelegt wurden. Einen Höhepunkt in der Geschichte bildet die Luftbrücke, als die Westallierten während der Zeit der Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 die Westberliner Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigen versorgte. Der Flughafen wurde zum Symbol der Freiheit. Heutzutage sind im Flughafen Firmen und Start-ups im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft ansässig, er wird als Messegelände genutzt, ebenso für Sportveranstaltungen und Events, wie z.B. die Neonyt der Berlin Fashion Week, die gerade stattfand, als wir anwesend waren. Ein sehr auf- und anregender Besuch inmitten des morbiden Charmes des Gebäudes.