Ausflug nach Tempelhof-Schöneberg

Aufgrund des kalten und feuchten Monats fand der Spaziergang  der Gruppe „Berlin – ich entdecke meine Stadt“ am 11.Februar 2020 überwiegend innerhalb von Gebäuden statt. Zuerst konnte der sogenannte Schwerbelastungskörper an der General-Pape-Straße bestaunt werden. Hierbei handelt es sich um einen 14m hohen Zylinder aus Beton, den der nationalsozialistische Architekt Albert Speer im Jahr 1941 als Bodenbelastungsprobe für einen geplanten gigantischen Triumphbogen errichten ließ.

Danach ging es weiter zur Malzfabrik Schöneberg. Dieser imposante verklinkerte Industriekomplex wurde in den 1910er Jahren direkt an einem Bahngleisanschluss gebaut. Die mechanisierte Großproduktion ging ab 1926 in Betrieb. Nach der Demontage der Maschinen im Jahr 1945 erfolgte in den 1950gern eine Modernisierung und Wiederinbetriebnahme. Im Jahr 1993 wurde die Fabrik jedoch endgültig stillgelegt. Die geführte Tour folgte dem damaligen Produktionsprozess, von der Anlieferung des Getreides über die verschiedenen Verarbeitungsgänge, dem Keimen und Trocknen, bis zur Auslieferung des fertigen Malzes an die Berliner Brauerei Schultheiß. Abschließend besuchte die Gruppe den Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße. Diese bedrückende Stätte war ein frühes Konzentrationslager von Hitlers SA-Feldpolizei. In den ehemaligen Gefängnisräumen ließen Informationstafeln, Fotografien und Originaldokumenten das Schicksal von ca. 2.000 Männer und Frauen, vor allem politisch Andersdenkende und Juden, die hier im Jahr 1933 inhaftiert waren, erahnen. 30 Menschen starben hier unmittelbar an den Folgen von Folterungen.  Bislang sind knapp 500 Personen, die 1933 in der Papestraße in Haft waren, namentlich bekannt. Die Gesamtzahl der Häftlinge war mit Sicherheit deutlich größer. Eine lücken­lose historische Aufarbeitung ist heute kaum mehr möglich. Ein Spaziergang der Gruppe, der die unterschiedlichsten Facetten der Geschichte eines Berliner Bezirks sehr greifbar machte.