Virtueller Architekturspaziergang durch Tokio

Am 26. Januar 2021 lud die WiB-Begegnungsgruppe Architektur-Spaziergänge zu einem virtuellen Vortrag ein: "TOKIO - Städtebau anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2021“. Unser Experte, der Berliner Architekt und Autor Ulf Meyer, zeigte uns anhand wunderbarer Fotografien, wie sich die japanische Hauptstadt für die 32. Olympischen Sommerspiele neu erfindet.

Ähnlich wie bei den Tokioter Spielen von 1964 bildet der Wettbewerb den Anlass für eine städtebauliche Neudefinition und den Bau neuer, architektonisch beachtenswerter Sportstätten. Die meisten Wettbewerbe sollen innerhalb von acht Kilometern um das olympische Dorf ausgetragen werden. Innerhalb dieses Radius' verteilen sich die Sportstätten auf die Heritage Zone im Norden sowie die Tokyo Bay Zone im Süden. Neben den neuen Bauprojekten und temporären Gebäuden sollen viele Sportstätten von 1964 wiedergenutzt werden, wenn auch nicht für dieselbe Sportart wie damals. Dieses kluge, nachhaltige „Recyceln“ verhindert sog. „white elephants“, also Gebäude, die später nicht mehr gebraucht werden und leer stehen. Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass heute wesentlich strengere Auflagen für Gebäude bestehen, z.B. bzgl. Umweltschutz, Sicherheit insgesamt und insbesondere Erdbebenschutz in Japan.

Im Zentrum des Vortrags stand das Neue Nationalstadion "Shin kokuritsu kyôgijô“ im Tokioter Viertel Kasumigaoka, entworfen vom japanischen Stararchitekten Kengo Kuma. Es befindet sich an gleicher Stelle, wo 1964 die Olympischen Spiele eröffnet wurden. Eigentlich hätte hier ein Stadion entstehen sollen, das von der inzwischen verstorbenen Stararchitektin Zaha Hadid entworfen wurde. Aber der Entwurf war für viele zu futuristisch und finanziell zu unberechenbar. Aus diesem Grund wurde Kengo Kumas Entwurf realisiert, der sowohl die ökonomische als auch die ökologische Seite berücksichtigte. Die Architektur spiegelt japanischen Einfluss wider: das Stadion soll im Einklang mit der Natur stehen, die offene Fassade ist durch sogennante "engawa", japanische Terrassen, hier als Überdächer, strukturiert. Sie schaffen die Verbindung von innen und außen. Japanische Holzmaterialen und schattenspendende Grünflächen kennzeichnen den Bau. Holz als traditionelles Material wird mit neuer Technologie kombiniert, so etwa in Form von holzbeschichteten Stahlpaneelen und Stahlrohren. Auch andere neue Sportstätten faszinieren durch architektonische Innovationen, die uns unser Experte zusammen mit weiteren wissenswerten Informationen, z.B. zum mustergültigen japanischen Bahnsystem, präsentierte.

Das war nun schon das insgesamt dritte virtuelle Treffen seit den veränderten Zeiten: im ersten erläuterte uns Ulf Meyer die Architektur des international berühmten I.M. Pei, im zweiten ging es um nachhaltiges Bauen, erklärt u.a. am Beispiel des Holzhauses in der Christburger Straße 13 im Prenzlauer Berg. Noch ist es unsicher, wann wir uns wieder persönlich zu einem Architekturspaziergang in Berlin treffen können, aber die ganze Gruppe freut sich schon darauf!


Alle Bilder © Ulf Meyer