Erwin Piscator

“Berlin durch Literatur erkunden“ traf sich einer kleinen Tradition Ende Januar 2019 gemäß zu einer Abendveranstaltung bei Annette Beer zu Hause. Vortragender war Michael Lahr, ELYSIUM between two continents, dessen Vortrag sich mit den revolutionären Veränderungen des Theaters durch Erwin Piscator in den 20er Jahren beschäftigte.

Erschüttert durch seine Fronterlebnisse während des 1. Weltkrieges, wollte Erwin Piscator durch sein politisches Theater die Menschen zur linken Revolte bewegen. Um die Zuschauer zu aktivieren, nutzte Piscator alle technischen Möglichkeiten, die zur Verfügung standen: Film, Projektion, Lichttechnik, Laufbänder, Etagen- und Segment-Globusbühnen – und kombinierte diese Elemente in einem Montageverfahren zu immer neuen Wirkungen.

Es gelang ihm zwar nicht, eine politische Revolution vom Zaun zu brechen – weder in seinem proletarischen Theater, noch durch seine Agitprop Revuen oder in der Volksbühne. Aber die technischen und dramaturgischen Innovationen seines epischen Theaters – besonders auf seiner eigenen Piscator-Bühne am Nollendorfplatz – haben die ästhetische Wahrnehmung in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts revolutioniert und das Theater, welches seit der Zeit des Barock unverändert funktionierte, ins technische Zeitalter der Moderne überführt.

Die Konzentration der Zuhörer während des Vortrags, wie ihre nachfolgenden Fragen als auch die Gespräche während des Empfangs zeigten, dass hier der Nerv des geübten Theaterpublikums getroffen wurde.